Umgang mit unerwünschtem Verhalten

Wenn Dein Hund ein Verhalten an den Tag legt, welches Du nicht möchtest, dann ignoriere dies auf jeden Fall! Dein Hund wird das unerwünschte Verhalten dann auf jeden Fall einstellen.
So oder so ähnlich hat das doch bestimmt schon jeder einmal gehört, oder?

Aber ist dem so? Kann ich durch ignorieren unerwünschtes Verhalten abstellen? Wir werden den Umgang mit unerwünschtem Verhalten einmal ergründen.

Seinen Hund zu ignorieren soll helfen unerwünschte Verhaltensweisen abzustellen, denn durch das Ignorieren Deines Hundes, bekommt dieser weder Aufmerksamkeit, noch körperliche Zuwendung. Diese zwei Dinge jedoch stehen bei Deinem Hund hoch im Kurs. Er empfindet es also als Strafe und stellt das unerwünschte Verhalten ein. So wäre der Ablauf, wenn ich mittels ignorieren meinem Hund ein Verhalten „abgewöhnen“ möchte.

Die drei A

  • nicht Anschauen

  • nicht Anfassen

  • nicht Ansprechen

Die drei A beschreiben ganz gut, was unter Ignorieren zu verstehen ist. Jegliche Aufmerksamkeit in Richtung Deines Hundes ist in diesem Fall tabu!

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Sinn und Unsinn des Ignorierens

Bei einigen Verhaltensweisen wirst Du mit dem Ignorieren Erfolg haben, bei anderen wiederum nicht.
Erfolg wirst Du haben, wenn es sich um forderndes Verhalten handelt. Mit diesem fordernden Verhalten sind Verhaltensweisen gemeint, die sich direkt an Dich richten.
Hier einige Beispiele:

  • Spielaufforderungen

  • Forderungen nach Streicheleinheiten (Pfote auflegen, Kopf auflegen usw.)

  • anbellen

  • uvm.

Was aber immer wichtig ist, egal um welche Verhaltensweise es sich handeln, Du wirst am ehesten Erfolg mit dem Ignorieren haben, sofern Dein Hund nicht schon einmal Erfolg mit dieser Verhaltensweise hatte.
Hatte Dein Hund bereits erfolgt mit der jeweiligen Verhaltensweise und Du bist beispielsweise auf die Spielaufforderung eingegangen, dann ist allein das Auffordern zum Spiel schon selbstbelohnend.

Ignorierst Du Deinen Hund bei einem unerwünschten Verhalten, dann sollte das Ignorieren relativ schnell auch beim Hund seine Wirkung zeigen, so dass dieser sich zurücknimmt.

Seinem Hund nicht permanent Aufmerksamkeit zu schenken und ihn auch mal zu ignorieren, hilft dabei, dass Dein Hund  sich entspannen kann und nicht immer im „Stand-by-Modus“ ist.
Vorteil: auch das Alleine bleiben funktioniert dadurch oftmals reibungsloser, da Du durch eine gezielte Abgrenzung für Entspannung sorgst!

Manchmal sorgt das Ignorieren des Hundes aber dafür, dass eben nicht die gewünschte Entspannung eintritt, im Gegenteil, der Hund wird eher unruhiger und gestresster.

Übung
Auch Ignorieren und vor allem das Aushalten von Ignoranz kann man üben!
Der Übungsaufbau sorgt für Entspannung, wichtig jedoch, dass die Übung einen Anfang und ein Ende hat.
Den Einstieg in die Übung könntest Du so gestalten, dass Du einen bestimmten Gegenstand gut sichtbar hinstellst.
Das Hinstellen des Gegenstandes startet die Übung und signalisiert parallel noch dazu, dass der Hund sich jetzt entspannen kann, denn er ist „nicht dran“.
Zu Beginn würde ich die Übung nicht länger als 2-3 Minuten durchziehen, denn es soll nach wie vor nicht in Stress für Deinen Hund ausarten! Während dieser Zeit ist es aber wirklich wichtig, dass Du Deinen Hund gänzlich ignorierst. Kein Seitenblick, kein gar nichts!
Ist die Zeit um, stellst Du ganz offensichtlich den Gegenstand wieder weg und schenkst Deinem Hund Aufmerksamkeit!

Mit der Zeit wird Dein Hund lernen, dass er sich entspannt zurücklehnen kann, wenn Du mal keine Zeit für ihn hast und Deinen Dingen nachgehst, ohne das es für ihn in Stress ausartet.

Fehlende Anleitung sorgt für falsche Entscheidungen

Im Zusammenleben mit unserem Hund können wir nicht alles ignorieren, wir müssen anleiten, kurzum, wir müssen handeln! Situativ benötigt es da auch mal ein klar kommuniziertes „Nein!“.
Leite Deinen Hund entsprechend an, erkläre ihm das „Hunde-Einmal-Eins“, stelle „Benimm-Regeln“ auf. Diese Regeln sind der sprichwörtliche „rote Faden“ für Deinen Hund und somit eine Orientierungshilfe.

Lasse ich meinem Hund gänzlich freie Hand, trifft dieser natürlich viele Entscheidungen selbst, mitunter eben auch jene, die ich nicht möchte. Hunde brauchen einen Hundehalter, der einen Rahmen vorgibt, in dem sie sich dann entfalten dürfen.
Einen Rahmen vorgeben, sprich Entscheidungen zu treffen ist nicht negativ für unseren Hund. Auch wenn wir Menschen zunächst nur Verbote im Kopf haben, wenn wir an diesen (Spiel)Rahmen denken, so beinhaltet dieser Rahmen auch die Erfüllung der Bedürfnisse unseres Hundes.
Trifft der Hund viele Entscheidungen selbst, kann dies überfordern und ebenfalls für Stress sorgen.

Mögliche Entscheidungen die er trifft, bzw. Situationen, für die unser Hund sich zuständig fühlt:
♦ andere Hunde
♦ Besucher
♦ Passanten
Es gibt natürlich noch viel, viel mehr Entscheidungen, die ein Hund treffen kann, wo wir anderer Meinung sind.
Entscheidungen, die unser Hund selbstständig trifft, sind oftmals impulsiv. Es mangelt an Orientierung am Menschen, bzw. ist diese in solchen Situationen meist gar nicht vorhanden.

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Hier ist handeln angesagt

1. Besucher
Vielleicht kennst Du die Situation auch. Dein Hund freut sich riesig über den Besuch, kläfft springt und ist ganz außer sich. Von den Reaktionen der Besucher mal ganz abgesehen, sind diese Handlungen bereits selbstbelohnend. Hinzukommen die Reaktionen: „och, der ist ja süss, lass ihn doch“ und andere Sätze, ihr kennt das!
Den Besuch kann man nur schwer erziehen/beeinflussen, den eigenen Hund aber sehr wohl, wir müssen also handeln!

2. Ruhebedürfnis
Es gibt sie, diese Hunde, die in der Wohnung permanent auf Achse sind und nicht zur Ruhe kommen. Beachte ich das Ruhebedürfnis unser Hunde, welches je nach Alter zwischen 16-20 Stunden liegt, dann wird ein Hund, der wandert, diese Ruhe nicht bekommen. Auch hier müssen wir handeln und für Ruhe sorgen. Das nimmt Stress!
Zu ruhen ist etwas, was die meisten Hunde lernen müssen!

3. Kontakt zu Artgenossen
Stürmisch, bedrängend und distanzlos, so könnte man die Begegnung beschreiben. Auch hier sollte ich als Hundehalter handeln, denn auch Hunde mögen es höflich!
Hunde dürfen solche Situationen sicherlich kommunizieren, sprich der andere darf seine Grenzen aufzeigen, dringen diese aber bei dem stürmischen Artgenossen nicht durch, dann ist ein Handeln des Menschen nötig.

Was kannst Du tun? Sei präsent und vor allem beharrlich, setze Körpersprache ein! Meine was Du sagst, ziehe Dein „Nein“ auch durch, in dem Du deinen Hund vom anderen Hund abblockst.
Dein Hund sollte daraufhin sein Verhalten anpassen, Du solltest eine deutliche Veränderung im Erregungslevel feststellen und das Verhalten Deines Hunde sollte an Intensität verlieren. Ist dem so, kannst Du einen neuen Kontaktversuch  starten.
Vielleicht auch für Dich interessant, mein Beitrag zum Thema Kommunikation Mensch-Hund.

Merke: Deinem Hund stillschweigend zuzusehen, ist quasi deine Zustimmung zum Handeln Deines Hundes!

Und wie ist das bei Dir?

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Ignorieren gemacht? Was klappt gut, was vielleicht gar nicht?
Ich würde mich freuen, wenn Du Deine Erfahrungen kommentierst!

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