Umgang mit Konfliktsituationen – diese 4 Möglichkeiten haben Hunde

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Umgang mit Konfliktsituationen – diese 4 Möglichkeiten haben Hunde

Konfliktsituationen – diese 4 Möglichkeiten hat Dein Hund

Stell Dir vor, Du gehst mit Deinem Hund spazieren. Es ist schönes Wetter, es ist sommerlich warm, ihr seid auf dem Weg zur Eisdiele und schlendert den Bürgersteig entlang. Entgegen kommt euch der Nachbar mit seinem Hund und die Begegnung auf dem schmalen Bürgersteig könnte eng werden, da es auch keine Möglichkeit gibt auszuweichen. Die beiden Hunde haben sich natürlich auch schon bemerkt. Während Nachbars Lumpi anfängt euren Hund zu fixieren, beginnt euer Hund am Straßenrand zu schnuppern.

Was passiert da eigentlich? Warum machen die beiden Hunde das? Hunde haben 4 Möglichkeiten auf Situationen zu reagieren, die für sie einen Konflikt bedeuten. Bei der kleinen Geschichte oben, liegt der Konflikt darin, dass einfach zu wenig Platz ist, um auszuweichen und die beiden einfach zu eng aneinander vorbeigehen müssten.

Solche Konflikte gibt es im übrigen ständig und nicht nur zwischen Hunden. Auch mit uns Menschen gibt es Konfliktsituationen für unsere Hunde, zum Beispiel wenn ich meinen Hund aus einem Hundekontakt abrufe. Hier könnte es sein, dass der Hund aufgrund der Signale, die der andere Hund aussendet, gerade gar nicht kommen kann. Frauchen hat aber gerufen… was tun?

Konfliktlösungsstrategien  – die „4F`s“

Die Bezeichnung „4F`s“ ist mir erst in der Ausbildung zur Hundetrainerin über den Weg gelaufen. Sicher wusste ich auch vorher schon, dass Hunde unterschiedliche Möglichkeiten haben, mit Konflikten umzugehen, aber natürlich nicht im Detail. Jede einzelne der 4 Möglichkeiten beginnt mit einem „F“, daher auch diese Namensgebung. Kommen wir aber mal zu den Begrifflichkeiten:

  • Flight (Flucht)

  • Fight (Kampf)

  • Freeze (Einfrieren)

  • Flirt (Übersprungshandlung, bpsw. eine Spielaufforderung)

Woher weiß der Hund, welche der Strategien er wann einsetzt? So pauschal lässt sich dies nicht beantworten. Hunde sind Individuen. Auch sie haben Erfahrungen gemacht und haben zudem haben sie natürlich auch eigene Persönlichkeiten, zusätzlich kommt dann noch die entsprechende Situation hinzu. Aber auch das Verhältnis zu dem anderen Hund oder auch zu uns Menschen ist entscheidend in der Wahl, welche Lösungsstrategie nun eingesetzt wird.

4 Möglichkeiten einem Konflikt aus dem Weg zu gehen

Nachfolgend möchte ich Dir jetzt einmal alle 4 Lösungsstrategien versuchen näher zu bringen. Einiges wirst Du im Umgang mit Deinem Hund sicherlich auch schon beobachtet haben. Aber Du wirst vielleicht auch feststellen, dass die Interpretation des Gesehenen und die Wirklichkeit mitunter dennoch verschieden sind.

Flight (Flucht)

Als Mira vor 2 Jahren einzog, war das ihre Strategie Nummer 1. Ihre Reaktion auf spielende Kinder beispielsweise war der Rückwärtsgang. Als sie einzog, wusste ich, dass ihr bestimmte Dinge und Situationen nicht geheuer sind, so auch Kinder. Trotz großem Abstand oder Bogen laufen, waren ihr Kinder völlig suspekt. Ihr Weg war der Rückzug, die Flucht.

Eine Flucht stellt man sich doch eigentlich so vor, dass jemand im Höchsttempo flieht, oder? Das muss hier gar nicht zwingend der Fall sein. Bei vielen Hundebegegnungen kann man auch ein „vorsichtiges wegschleichen“ beobachten. Es geht gar nicht darum Tempo zu machen, sondern darum, die direkte Konfrontation zu vermeiden.

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Fight (Kampf)

Das eigentliche Ziel von Hunden ist es, Konfrontationen, welche Verletzungen mit sich bringen könnten, zu vermeiden. Dennoch kann es Situationen geben, wo vielleicht eine andere Lösungsstrategie nicht funktioniert hat und der Hund nun nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ verfährt.

Stell Dir vor, ein Hund möchte den Kontakt, die Konfrontation mit einem anderen Hund vermeiden und versucht aus einer Situation zu fliehen, gehindert wird er beispielsweise durch versperrten Raum. Die Flucht war somit der erste Versuch die Situation zu lösen. Als nächstes muss aber noch nicht der unmittelbare Kampf folgen. Aggression hat viele Abstufungen, so dass vielleicht ein erstes Drohen ausreicht. Die absolut letzte Möglichkeit wäre ein Kampf und selbst hier unterscheidet man noch zwischen gehemmt und ungehemmt.

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Freeze (Erstarren)

Das Einfrieren der Bewegung zählt auch zu den Beschwichtigungssignalen (Calming Signals). Beschwichtigungssignale dienen dazu Konflikten vorzubeugen. Das Einfrieren speziell soll für das Gegenüber verdeutlichen, dass keine Gefahr droht. Oberstes Ziel von Beschwichtigungssignalen ist der Abbau von Spannungen.

Ihr habt bestimmt das „Freeze“ auch schon einmal beobachten können. Klassisches Beispiel, welches ihr bestimmt auch schon selbst erlebt habt, ist der Rückruf. Wir hatten hier schon einmal folgende Situation: auf dem Spaziergang habe ich ein sich annäherndes Auto nicht bemerkt. Als ich es dann bemerkt hatte, war der Abstand natürlich schon sehr gering und alle musste schnell gehen. Ich war quasi augenblicklich angespannt, wollte meine Hunde möglichst schnell an den Rand rufen und das spiegelte sich natürlich in der Art & Weise wider, wie ich meinen Rückruf rief. Die Hunde setzen sich zwar in Bewegung, liefen aber nur sehr zögerlich in meine Richtung. Für mich musste es jetzt schnell gehen, ich wurde hektisch und die Stimme wurde ernst. Ich setzte mit meinem Rückruf noch einmal nach und darauf hin, blieb meine Hündin mitten auf dem Weg einfach stehen. Ihr Verhalten war völlig normal. Sie wollte die Situation entschärfen. Es lag nicht daran, dass der Rückruf bei ihr nicht sitzt. Es lag einfach an meiner Haltung, meinem Ton und meiner Hektik,

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Flirt (Spielaufforderung/Übersprungshandlung)

Oft zu beobachten ist diese Konflitklösungsstrategie bei der Annäherung zweier fremder Hunde. Die Hunde nähern sich an und für den einen ist die Situation konfliktbehaftet, da der andere beispielsweise beginnt Imponierverhalten o.ä. zu zeigen. Wie nun die Situation lösen? Der Hund, welcher den Konflikt hat, zeigt nun eine Spielaufforderung, um die Situation freundlich zu lösen.

Was hier vermeintlich niedlich anzusehen ist, wird oft fehlinterpretiert. Klar hat der Hund eine Spielaufforderung gezeigt, aber deswegen ist es noch lange nicht so, dass hier zwei „Best-Buddys“ aufeinander treffen. Eine andere Möglichkeit so eine Übersprungshandlung zu zeigen, die sogar geläufiger ist, ist das in die Leine beißen. Unser Hund beißt bei Sichtung und Annäherung des anderen Hundes in die Leine. Das tut er nicht, um uns zu ärgern, sondern weil eventuell der Abstand zum andren Hund zu gering ist und er ja gehindert durch die Leine nicht flüchten kann.

So ein Flirt-Verhalten, also eine Übersprungshandlung zeichnet sich dadurch aus, dass sie eigentlich so gar nicht zur Situation passt. Wir Menschen kennen das auch. Kleine Kinder beispielsweise, lösen Konflikte, beispielsweise Situationen, in den Ärger droht damit, dass sie die Situation ins Lächerliche ziehen. Warum tun sie das? Genau aus dem gleichen Grund wie der Hund, sie hoffen, dass der Ärger schnell verfliegt.

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Wer nutzt welche Strategie?

Wie bereits geschrieben, hängt es von vielen Faktoren ab, welcher Hund welche Strategie nutzt. Wenn ich meine drei einschätzen müsste, dann zählt Mira auf jeden Fall zu den zurückhaltenderen Hunden, sie tendiert eigentlich immer eher zum Einfrieren oder zur Flucht. Oskar ist da schon deutlich aufgeschlossener, aber selbst er, würde eher einem Streit aus dem Weg gehen. Er würde wahrscheinlich eher Einfrieren oder eine Übersprungshandlung in Form von „ich geh mal Blümchen gucken“ zeigen. Happy, noch nicht ganz ein Jahr alt nutzt in jedem Fall das Flirtverhalten und fordert zum Spiel auf.

Entscheidend sind aber auch Erfahrungen, die bereits gesammelt wurden, das Alter, die Situation an sich oder auch der Einfluss des Menschen in solchen Situationen.

Wie ist das bei euren Hunden, welche Bebachtungen habt ihr gemacht? Welche Strategien nutzen eure Hunde?

Ich würde mich freuen, wenn ihr die Kommentarfunktion nutzt und das Verhalten eures Hundes gern einmal schildert!

Liebe Grüße,

Nicole mit Oskar, Mira & Happy

By |2018-07-12T12:16:18+00:00Juli 12th, 2018|Verhalten|2 Comments

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Hi, ich bin Nicole, Hundetrainerin mit Leib und Seele. Hier werde ich regelmäßig rund um den Hund berichten. Bei Fragen rund um das Thema Hund kannst Du mir gern eine EMail schicken. Falls du unsere Tipps und Hinweise gut findest dann teil Sie gerne deinem Netzwerk mit - Danke. Hier machen wir auch mit: Facebook | Hundeschule Leinenengel bei Google + |

2 Comments

  1. Maliika 12. Juli 2018 um 18:02 Uhr - Antworten

    Ich habe bei meiner unkastrierten Hündin (4Jahre alt) durchaus auch verändertes Verhalten in „Konfliktsituationen“ abhängig von ihrem aktuellen Hormonhaushalt beobachten können. Normalerweise ist sie eher eine die erstarrt oder gleich einen großen Bogen um Stresssituationen dreht. Gerade in den Wochen kurz nach oder kurz vor der Läufigkeit zeigt sie aber auch gerne mal die Zähne um sich aufdringliche Bewunderer beiden Geschlechtes vom Hals zu halten. Und ca. 4 Monate nach der Läufigkeit hät sie eine Phase von ungefähr einem Monat in dem sie gerne mit einem jugendhaften Fliert Hundebegegnungen entspannt (während der Läufigkeit übrigens auch). Wirklich spannend sich darüber Gedanken zu machen! 🙂

    • Nicole Funk 13. Juli 2018 um 22:23 Uhr - Antworten

      Hi Maliika,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Das ist wirklich spannend, gerade wenn man während des Zyklus beobachtet. SOlche Faktoren beeinflussen natürlich noch zusätzlich 🙂

      Liebe Grüße,
      Nicole

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