Tipps zum richtigen Umgang mit der Leinenaggression – wie verhalte ich mich richtig?

Kürzlich habe ich einen Blogbeitrag über das Thema Leinenaggression geschrieben. Hier ging es um die Definition einer Leinenaggression, mögliche Ursachen und was dieses Verhalten mit uns Menschen macht.

Nach wie vor möchte ich keine konkreten Tipps geben, wie ihr eurem Hund dieses Verhalten abgewöhnen könnt. Die Situation sollte sich ein Trainer vor Ort ansehen, denn es gibt hier viele mögliche Ursachen und somit auch viele verschiedene Trainingsansätze. Zu diesem Thema Tipps zu geben, ohne Hund und Halter zu sehen, empfinde ich als fahrlässig. Man kann es in etwa mit dem Blick in die Kristallkugel vergleichen. Könnte, hätte, wäre, wenn… 

Worauf ich aber eingehen möchte, sind Ansätze, wie man sich als Mensch in solchen Situationen, in denen sich der Hund leinenaggressiv zeigt, verhalten kann.

Was Dir helfen kann

Im ersten Artikel zur Leinenaggression hatte ich ja schon beschrieben, wie sich so eine Situation abspielt.

[…] Schon beim Anleinen im Haus macht man sich Gedanken darüber, welcher Hund einem denn heute über den Weg laufen wird. Gleichzeitig malt man sich schon in allen Details die Reaktion des eigenen Hundes aus. Die Haustür öffnet sich und als erstes wird der nähere Umkreis abgescannt. Tür zu ziehen, abschließen und loslaufen ist quasi eine Bewegung, denn zu lange vor Ort zu verweilen, könnte den Worst Case bereits vor der Eingangstür heraufbeschwören.

Am Feldweg angekommen, ist das Beste die weite Sicht. Wenn dann plötzlich dieser schwarze kleine Punkt am Horizont erscheint, wartet man eigentlich nur auf einen etwas kleineren, erscheinenden Punkt, links oder rechts neben dem Großen. Dann sind es zwei Punkte, die sich nähern. Jetzt kommt das Paradoxe… man verringert die eigene Geschwindigkeit. Die Tatsache, dass man doch die Reaktion des eigenen Hundes kennt, sollte doch dafür sorgen, die Füße in die Hand zu nehmen und schnellstmöglich aus der Situation zu gehen, oder? Weit gefehlt! Man wird langsamer  und beginnt mit dem Blick zu pendeln. Eigener Hund – fremder Hund – eigener Hund – fremder Hund. Die Körperhaltung ist bereits mehr als eingesackt. Schnell nochmal die Leine kurz genommen und dann innerlich von 10 runter zählen, bis zum Ausbruch des eigenen Hundes. […]

Quelle: Leinenaggression – wenn der Spaziergang zum Spießrutenlauf wird

Was aber kann ich für mich tun, damit ich gar nicht erst in diese verkrampfte Situation komme? Ich kann nur an mir selbst arbeiten. Ich bin das einzige, was ich lernen kann, zu steuern! Den entgegenkommenden Hund samt Halter kann ich nicht steuern oder wegzaubern. Es bleibt nur der Weg, etwas an sich selbst zu ändern.

Achte auf Deine Körperhaltung! 

Deine Körperhaltung ist für Deinen Hund zu jeder Zeit „lesbar“ und entscheidungsweisend. An Deiner Körperhaltung und auch an Deiner Gestik/Mimik erkennt Dein Hund wie es gerade um Dich steht. Ob du Dich gut fühlst, ob Du ängstlich bist, ob Du zuversichtlich oder gar selbstbewusst bist. Deine Körperhaltung verrät Deinem Hund, wie es bei Sichtung eines anderen Hundes in Dir aussieht.

Bei vielen Menschen, die einen leinenaggressiven Hund haben, spielt Angst eine Rolle. Man erblickt den anderen Hund am Horizont und Angst steigt in einem auf. Für diese Angst-Situationen, in denen einen bereits die Körpersprache verrät, kann man sich Übungen zu nutze machen, die einem helfen souveräner zu werden und seine Körpersprache bewusster einzusetzen. Diese Übungen werden auch oft von Menschen genutzt, denen es beispielsweise schwer fällt Vorträge vor einem Publikum zu halten. Arbeitet man an seiner Körpersprache, diese bewusst einzusetzen, ist es sogar so, dass man das Stresslevel nachweislich senken kann. (Quelle: Jacob Cersten, Von Prüfungsangst zu Prüfungsmut, von Lampenfieber zu Auftrittslust)

„Brust raus – Bauch rein!“

richtiger umgang mit der leinenaggression

Vergiss nicht zu atmen!

In der Situation fällt es einem selbst oft nicht auf. Man hält die Luft an! Warum? Eigentlich setzt man sich doch damit nur noch mehr unter Druck. Eine andere Möglichkeit – man atmet flacher und schneller und sorgt damit dafür, dass sich unsere Herzfrequenz erhöht. Was dann passiert, brauche ich nicht zu schreiben, man gerät in Stress.

Durch richtiges Atmen nimmt der Körper mehr Sauerstoff auf, der Puls wird ruhiger und man beginnt zu entspannen. Bewusstes Atmen kann man sich antrainieren, gerade für solche Situationen! Mit unserer Atmung können wir Ruhe in unseren Körper bringen. Das schöne, wenn Du richtig atmest, kannst Du es auch schaffen, dich aus Deinem Kopfkino zu befreien. 

Gehen wir mit unserem Hund spazieren und erblicken in einiger Entfernung einen anderen Hund, spult sich das Kopfkino ab und man versetzt sich damit noch zusätzlich zum Handling des eigenen Hundes in Stress. Richtiges atmen kann hier dafür sorgen, dass man nicht in seine „Filmrolle“ entgleitet, sondern in der Gegenwart bleibt. Im Hier und Jetzt! Warum das so ist? In Momenten oder Situationen, in denen man ganz bewusst atmet oder gar Atemübungen durchführt, fokussiert man sich auf diesen. Atmen tun wir genau in diesem Moment, nicht vorher und nicht nachher, sondern JETZT. Im Hier und Jetzt!

richtiger umgang mit der leinenaggression

Atemübungen

Übung 1 – diese Übung kannst Du zunächst in ruhigem Umfeld durchführen, sie soll dazu dienen, dass Du dich auf die Übung konzentrierst und nicht auf Deine Gedanken, die schon wieder bei der nächsten Hundebegegnung sind.

  • wähle eine Strecke, wo Du dir sicher bist, dass Du dort ungestört bist

  • Du atmest ein und zählst innerlich EINS, dann atmest Du aus und zählst ZWEI, usw.

  • wenn Du dennoch immer mit Deinen Gedanken abschweifst, kann Du die Übung auch ein wenig abwandeln und für den Zeitraum des Einatmens fortlaufend zählen (EINS, EINS, EINS,…), ebenso für den Zeitraum des Ausatmens (ZWEI, ZWEI, ZWEI,…)

Übung 2 – blitzschnell entspannen kann man auch unterwegs. Wenn Du beispielsweise merkst, dass Deine Anspannung zunimmt, dann kannst Du diese Atemübung durchführen. Diese Übung eignet sich nicht zur Durchführung bei Sichtung des anderen Hundes, aber vielleicht direkt danach, wo Du anschließend mal wieder „durchatmen musst“.

  • während des Einatmens, soviele Muskeln wie möglich anspannen, anschließend kurz die Luft anhalten

  • beim Ausatmen alle Muskeln wieder entspannen, dies fördert die Blutzirkulation. (Anspannen = Blut wird in die Gefäße gepumpt und Entspannen = Gefäße erweitern sich, es fließt mehr Blut

  • Übung etwa 5 mal wiederholen

  • nach dem letzten mal noch kurz Innehalten, sich schöne Erlebnisse mit seinem Hund in Erinnerung rufen und erneut „durchleben“

  • weiter atmen, aber ohne bewusst darüber nachzudenken

  • abschließend strecken und entspannt weiter gehen

Es gibt einige Atemübungen, die man machen kann. Weiter Übungen und auch die genannten findest Du auf den folgenden Seiten:

Einfach meditieren

Zeitblüten

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Verschaffe Dir positive Erlebnisse

Was für mich schon eine große Hilfe war – zu zweit spazieren gehen. Allein die Anwesenheit einer zweiten Person hat mir damals bei Jacks Leinenaggression Sicherheit gegeben, bzw mich so abgelenkt, dass ich nicht oder nur noch selten die Möglichkeit hatte mein Kopfkino zu starten.

Oder aber fremde, neue Orte… wenn Du einen Hund hast, der ansonsten alltagstauglich ist, dass heißt, dem neue, fremde Umgebungen nichts ausmachen, dann unternimm etwas mit Deinem Hund. Besuche neue, aufregende Orte! Wir waren beispielsweise mal an der Küste zu einem Drachenfest. Es war dort einiges los, viele Leute, viele andere Hunde. Ich hatte aber so viel zu gucken, dass ich meinen sonst so leinenaggressiven Hund relativ entspannt durch die Leute bugsieren konnte. Anschließend kam nur die Frage, ob ich die ganzen anderen Hund links und rechts nicht gesehen hätte. Hatte ich nicht! Jack aber wahrscheinlich sehr wohl und trotzdem kam da nicht ein Mucks. Das war so ein tolles Erlebnis, das gute Gefühl hielt noch zwei, drei Tage lang an!

Löst Dein Hund einmal aus, so hält man an diesem negativen Erlebnis fest, die ganz vielen, kleinen Dinge, die tagsüber aber absolut toll verlaufen, die rücken in den Hintergrund. Das ist eine absolut menschliche Schwäche, den Fokus auf die negativen Dinge legen. Wie bescheuert ist das eigentlich? Da passieren tagtäglich so viele tolle Dinge, so viele schöne Situationen, in denen Dein Hund einwandfreies Verhalten zeigt und man fokussiert sich auf EINE negative Situation…

Wie schon im ersten Artikel geschrieben, können auch Social Walks eine tolle Möglichkeit sein. Hier stelle ich immer wieder fest, wie schnell es eigentlich geht, das Menschen, deren Hunde leinenaggressiv sind, ein gutes Gefühl entwickeln und sich wieder wohlfühlen in der Anwesenheit anderer, fremder Hunde! Allein die Tatsache zu wissen, dass die anderen Teilnehmer ähnliche Probleme mit ihrem Hund haben und somit wissen, worauf zu achten ist, verleiht einem Sicherheit. Diese Sicherheit strahlt man natürlich auch direkt aus. 

An dieser Stelle möchte ich darum bitten, dass sich keiner angegriffen fühlt, aber manchmal gleicht es ein wenig der Entwicklung vom Neandertaler zum Menschen (in Bezug auf die Körperhaltung). Mit jedem Schritt während des Social Walks gehen die Teilnehmer aufrechter und selbstsicherer. Man kann eine richtige Verwandlung beobachten. 

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Buchtipps

Zu den jeweiligen Empfehlungen findest Du auch Affiliate-Links (Amazon-Emblem vom jeweiligen Buch), wenn Du über einen dieser Links bei Amazon einkaufst, dann erhalte ich für Deinen Einkauf eine kleine Provision von Amatzon. Diese Provision kostet Dich KEINEN Cent extra!

Das Buch „Der Hund in Deinem Kopf von Martina Braun“ ist hier eine echte Empfehlung. Es liefert Dir jede Menge Denkanstöße was Du an dir selbst verändern kannst, um entsprechende Veränderungen bei Deinem Hund festzustellen. Ebenfalls enthält es kleine Übungen, die Dich in der „Selbstfindung“ begleiten und Dir deinen Weg einfacher machen. In die „Esoterik-Ecke“ würde ich dieses Buch nicht eingliedern, die Autorin liefert entsprechende wissenschaftliche Studien.

„Dein Hund – Deine Chance“ von Anna Meißner – eines meiner Lieblingsbücher. Kurzum geht es hier um die Persönlichkeitsentwicklung mit Hund. Der Hund spiegelt unser Verhalten – Grund genug dieses mal genau unter die Lupe zu nehmen und zu analysieren welche Auswirkungen dies hat und was ich verändern kann. Das Buch bringt einem in jedem Fall viele neue Selbsterkenntnisse. 

„Das andere Ende der Leine: Was unseren Umgang mit Hunden bestimmt“ von Patricia B. McConnell, ist ebenfalls ein tolles Buch. Die Autorin selbst schreibt, dass es kein Buch über Hundeerziehung ist, sondern eher eines über Menschenerziehung. Sie klärt über typische Missverständnisse auf und beschreibt dies anhand vieler eigener Erlebnisse mit ihren eigenen Hunden. 

Ich hoffe sehr, dass ich Dir einige Tipps und Ideen mitgeben konnte, die Dir im Alltag weiterhelfen. Eines sollte aber in jedem Fall feststehen: Sieh nach vorn und freue Dich über die kleinen Dinge!

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