Leinenaggression – wenn der Spaziergang zum Spießrutenlauf wird

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Leinenaggression – wenn der Spaziergang zum Spießrutenlauf wird

Leinenaggression – wenn der Spaziergang zum Spießrutenlauf wird

Ich selbst hatte auch schon einen Hund, der eine Leinenaggression entwickelt hatte. Das ist wirklich nicht schön und mitunter werden Spaziergänge wirklich zum Spießrutenlauf. Wie entsteht eine Leinenaggression? Was macht das mit uns Menschen? Genau darum wird es in diesem Artikel gehen, zum einen um die Definition und zum anderen um mögliche Ursachen. 

Was ist eine Leinenaggression?

Ein Berserker an der Leine, der Teufel auf vier Pfoten, eine wütende Bestie, so und so ähnlich beschreiben Menschen ihren Hund, der sich bei Hundebegegnungen genau so aufführt.  Das Paradoxe dabei? Im Freilauf hat man einen tollen, sozialen und verträglichen Hund. Lediglich an der Leine zeigt der Hund Aggressionen gegenüber Artgenossen und manchmal auch gegenüber dem anderen Ende an der Leine. In einigen Fällen schlägt die Aggression nach vorne, auch nach hinten, zum Menschen hin um. Umgerichtete Aggression nennt sich dieses Verhalten. Es entsteht aus Frust, weil der Hund durch die Leine daran gehindert wird, zum anderen Hund zu gelangen. Der Mensch dient ind diesem Moment als „Blitzableiter“.

Warum wird ein Hund leinenaggressiv?

Warum ein Hund bei Hundesichtung an der Leine Aggressionen zeigt, kann viele Gründe haben. Oftmals  sind es sogar mehrere Gründe, die in der Summe für dieses Problem verantwortlich sind.

Bei uns war der Auslöser eine doofe Begegnung, ein doofer Kontakt an der Leine, bzw viel mehr die Schrecksekunde. Beim Spazieren gehen sind wir auf einen anderen Hundehalter mit angeleinten Hund getroffen, aber nicht so, dass wir ihn aus einiger Entfernung haben kommen sehen, sondern er kam plötzlich seitlich aus dem Gebüsch. Die waren mit mal so nah, dass es Kontakt an der Leine gab, ich mich erschrocken habe, wahrscheinlich sogar zusammen gezuckt bin, was wiederum einen kleinen Ruck an der Leine ausgelöst hat und schon war das Gekeife da. Nach dieser Begegnung fing ich natürlich an, Hundebegegnungen anders zu managen, teilweise bewusst, teilweise unbewusst. Aber genau damit nahm das Drama weiterhin seinen Lauf. Ich bestätigte damit unbewusst das Verhalten meines Hundes und verstärkte es somit.

Leinenaggression

Was haben wir also für mögliche Auslöser?

  • negative Erfahrungen – der Hund macht an der Leine eine negative Erfahrung mit einem anderen Hund. Das kann so ein Erlebnis sein, wie ich es mit meinem Hund hatte, oder aber schlimmer noch ein Biss.

  • Frust – zu diesem Punkt erkläre ich in der Hundeschule immer, dass ich nicht möchte, dass die Hunde, gerade die Welpen an der Leine Kontakt zu anderen Hunden haben. Der Grund dafür ist ganz einfach: ein Hund, der gelernt hat, dass er an der Leine zu anderen Hunden darf („nur mal Hallo sagen“), wird nur schwer verstehen, dass dies irgendwann oder in bestimmten Situationen nicht mehr geht, die logische Konsequenz ist Frust.

  • unbewusste Bestätigung / Stimmungsübertragung – hierunter fallen Dinge, die man mitunter ganz automatisch und unbewusst tut: die Leine kurz nehmen, hektisch werden oder gar die Stimme erheben. Aber auch selbst schon den Horizont nach Hunden abscannen, das Tempo verlangsamen, oder von der Körperhaltung her „einsacken“ bestätigt das Verhalten des Hundes, bzw. sorgt für eine entsprechende Stimmung, das Verhalten zu zeigen.

  • Individualdistanz – darunter versteht man eine Distanz zum Artgenossen, die noch „ausgehalten“ werden kann, ohne eine Reaktion wie ausweichen, oder bei der Leinenaggression einer Angriffsreaktion zu zeigen. Diese Distanz wird an der Leine unterschritten und es entwickelt sich eine Leinenaggression. Der andere Hund wird mit einer Angriffsreaktion versucht auf Abstand zu halten.

Leinenaggression

Was macht es mit uns Menschen?

Einen leinenaggressiven Hund zu haben, verändert auch den dazugehörigen Menschen. Zeigt der Hund wieder einmal das komplette Repertoire angefangen beim Bellen, Knurren bis hin zum auf den Hinterpfoten in der Leine stehen. Dann ist das für den Menschen unangenehm, mitunter sogar peinlich. Man schämt sich regelrecht für das Verhalten des eigenen Hundes. Vor allem, weil man weiß, wie toll der eigene Vierbeiner eigentlich im Freilauf mit anderen Hunden ist. Sehen andere Menschen hingegen das Verhalten des eigenen Hundes an der Leine, glaubt einem keiner mehr, dass er ja eigentlich sozial und verträglich ist. 

Was nun folgt ist eine Abwärtsspirale. Spaziergände werden verkrampfter, die Leine kürzer, man selbst wird unsicher, ängstlich, hektisch und scannt bereits beim Verlassen der Haustür die Gegend nach anderen Hunden ab. Völlig verrückt, denn „offline“ ist das Erscheinungsbild von Hundehalter und Hund ein ganz anderes.

Mit dem Öffnen der Haustür jedoch spielt spielt das Kopfkino den persönlichen Blockbuster. In den Hauptrollen der vierbeinige Teufel und in einer, fast schon schizophren Doppelrolle man selbst: auf der einen Seite ist da dieser selbstbewusste, selbstsichere Hundehalter und auf der anderen Seite ist das „andere Ich“ – unsicher und an sich selbst zweifelnd.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sich dieses Szenario abspielt. Schon beim Anleinen im Haus macht man sich Gedanken darüber, welcher Hund einem denn heute über den Weg laufen wird. Gleichzeitig malt man sich schon in allen Details die Reaktion des eigenen Hundes aus. Die Haustür öffnet sich und als erstes wird der nähere Umkreis abgescannt. Tür zu ziehen, abschließen und loslaufen ist quasi eine Bewegung, denn zu lange vor Ort zu verweilen, könnte den Worst Case bereits vor der Eingangstür heraufbeschwören.

Am Feldweg angekommen, ist das Beste die weite Sicht. Wenn dann plötzlich dieser schwarze kleine Punkt am Horizont erscheint, wartet man eigentlich nur auf einen etwas kleineren, erscheinenden Punkt, links oder rechts neben dem Großen. Dann sind es zwei Punkte, die sich nähern. Jetzt kommt das Paradoxe… man verringert die eigene Geschwindigkeit. Die Tatsache, dass man doch die Reaktion des eigenen Hundes kennt, sollte doch dafür sorgen, die Füße in die Hand zu nehmen und schnellstmöglich aus der Situation zu gehen, oder? Weit gefehlt! Man wird langsamer  und beginnt mit dem Blick zu pendeln. Eigener Hund – fremder Hund – eigener Hund – fremder Hund. Die Körperhaltung ist bereits mehr als eingesackt. Schnell nochmal die Leine kurz genommen und dann innerlich von 10 runter zählen, bis zum Ausbruch des eigenen Hundes.

Kennt ihr das?

Was ist wichtig?

Wer jetzt des Rätsels Lösung erwartet oder gar eine konkrete Trainingsanleitung. Den muss ich enttäuschen! Dieses Thema ist zu komplex, um hier eine allgemein gültige Lösung zu präsentieren. Vielmehr sollte dies individuell mit fachmännischer Unterstützung erarbeitet werden. Gerade die unbewussten Kleinigkeiten, mit denen ich die Leinenaggression meines Hundes verstärke, fallen einem oft selbst nicht auf.

Wichtig für den Hund:

  • Die Ursache für die Leinenaggression klar identifizieren! Nur so kann das richtige Training auch zum Erfolg verhelfen.

  • Der Hund muss wieder gute Erfahrungen machen. Gute Erfahrungen kann der Hund aber nur machen, wenn er sich nicht genötigt sieht auszulösen, was dafür spricht, Hundebegegnungen zunächst in einer großen Distanz zu üben. 

  • Vertrauen in seinen Menschen (wieder) entwickeln.

Wichtig für den Menschen:

  • Eine klar definierte Ursache verbessert die Ausgangssituation und nimmt direkt zu Beginn etwas Leidensdruck.

  • Auch der Mensch muss wieder gute Erfahrungen machen und dadurch sein Selbstvertrauen stärken

  • Der Fokus muss sich von den negativen Situationen auf die positiven verschieben. Man muss sich wieder bewusst machen, wie vieles im Zusammenleben mit dem Hund gut klappt. Diese Summe positiver Erlebnisse darf man sich nicht durch EINE negative Situation kaputt machen lassen.

Sicher gibt es hier noch ganz viele weitere Dinge, die wichtig sind für Hund und Halter. Was aber schon heraussticht ist, dass es um die Arbeit am „Gefühl“ geht. Bei der Leinenaggression gilt es das Gefühl vom Mensch-Hund-Team zu verändern.

Aus diesem Grund biete ich gern Social Walks an. An diesen Spaziergängen nehmen Menschen mit ihren Hunden teil, die alle ähnliche Probleme haben und genau das ist der große Vorteil! Alle wissen sich entsprechend zu verhalten, alle wissen um den Abstand, der einzuhalten ist. Das allein gibt schon die erste Sicherheit, sich mit seinem Hund wieder auf einen Spaziergang mit anderen Hundemenschen zu wagen. Außerdem ist so ein Spaziergang auch eine prima Möglichkeit sich unter einander auszutauschen und seine Leichtigkeit beim Spazierengehen wieder zu finden. Diese wiedergefundene Leichtigkeit, diesen anderen, entspannterenUmgang spürt auch der Hund und ist dementsprechend relaxter.

Berufung Hund

Jack – der Hund links neben mir, war übrigens mein Leinenrambo 😉

Also los – traut euch! Habt ein Ziel vor Augen!

Entspannte Spaziergänge mit deinem Hund, zusammen mit anderen Hundehaltern, ein definitiv realisierbares Ziel!!

Fragen dazu? Schreibt mich gern an – entweder hier in der Kommentarfunktion, ansonsten auch gern per Mail.

Sehr gern könnt ihr natürlich auch an einem Social Walk teilnehmen. Die Termine findet ihr >> HIER <<.

Liebe Grüße,

Nicole mit Oskar, Mira & Happy

Ein kleiner Nachtrag…

Es gibt einige gute Literatur zu diesem Thema, die ich völlig vergessen habe. Anbei nun zwei Buchempfehlungen via Affiliate-Link*.

  • Wenn Du auf einen der Amazon-Links klickst (s. Buchtipps oben) und bei Amazon etwas kaufst, dann erhalte ich für Deinen Einkauf eine kleine Provision von Amazon. Diese Provision kostet Dich KEINEN Cent extra!
By |2018-02-25T22:35:08+00:00Februar 16th, 2018|Gedanken, Hundherum, Persönliches, Verhalten|2 Comments

About the Author:

Hi, ich bin Nicole, Hundetrainerin mit Leib und Seele. Hier werde ich regelmäßig rund um den Hund berichten. Bei Fragen rund um das Thema Hund kannst Du mir gern eine EMail schicken. Falls du unsere Tipps und Hinweise gut findest dann teil Sie gerne deinem Netzwerk mit - Danke. Hier machen wir auch mit: Facebook | Hundeschule Leinenengel bei Google + |

2 Comments

  1. Team Hundeseele 23. Februar 2018 um 19:08 Uhr - Antworten

    Hallo Nicole,
    Dieser Artikel ist sehr hilfreich. Zum Glück kenne ich dieses Problem nicht. Lady ist mit Leine umgänglich gegenüber Begegnungen. Gerne würde ich dich mit diesem Thema bei mir als Gastbeitrag reinnehmen. Wenn du Lust dazu hast, einfach melden. LG Claudia

    • Nicole Funk 24. Februar 2018 um 19:15 Uhr - Antworten

      Hallo Claudia,
      Du darfst den Beitrag gern reinnehmen. Ich freue mich, dass er Dir gefällt!
      Liebe Grüße,
      Nicole

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