Körpersprache von Hunden

Faszination Körpersprache

Im Umgang mit Hunden gibt es kaum etwas spannenderes, als das Verhalten zwischen zwei Hunden zu beobachten, zu analysieren und konkret zu beschreiben. Häufig geht es um kleinste Bewegungen oder auch Blicke, die ein komplett anderes Verhalten auslösen, als man ursprünglich geglaubt hat wahr zu nehmen. Hunde sind in ihrer Kommunikation beeindruckend! 

Sie kommunizieren unheimlich klar und präzise. Wo wir Menschen gestikulieren und zu ganzen Gesprächs-Arien ausholen, zeigen Hunde ihrem Gegenüber kurz und knapp, was sie von einem halten.

Vier Augen sehen mehr als zwei…

… also haben Stephanie von The Pell-Mell Pack und ich uns zusammen getan und beschreiben anhand eines Fotos, was wir an Körpersprache wahrnehmen. Von Stephanie gibt es hierzu bereits DIESEN Artikel , in dem sie aus Hundehaltersicht und ich aus Trainersicht das Gesehene beschreiben. 

In diesem Artikel geht es nun um eins meiner Fotos… Zunächst könnt ihr lesen, wie Stephanie das Gesehene interpretiert, anschließend werde ich meine Beobachtungen zum Foto schreiben. An den beiden nachfolgenden Tagen, werden wir in der Facebook Gruppe der miDoggy-Community zwei weitere Bilder posten, zu denen wir euch einladen möchten, diese mit uns zu anlysieren und zu interpretieren.

Das Foto

Um dieses Foto soll es bei unseren Interpretationen gehen: 

Was sieht Stephanie aus Hundehaltersicht?

Der dunkle hintere Hund (ich nenne ihn mal Hund 1) steht mit weit aufgestellten Vorderläufen. Die Ohren sind gespitzt, der Blick fest auf etwas gerichtet, das sich hinter dem hellen Hund (Hund 2) zu befinden scheint. Insgesamt wirkt Hund 1 leicht geduckt, die Rute ist hoch erhoben.

Hund 2 hat die Rute ebenfalls hoch erhoben. Mit dem Hinterteil wie auch dem Kopf hat er sich zu Hund 1 gewendet. Die Vorderläufe zeigen aber in dieselbe Richtung wie Hund 1. Daher sieht er aus, als würde er in einer S-Kurve stehen. Mit dem Blick fixiert er Hund 1.

Beide Hunde wirken ernst, haben kein offenes Spielgesicht.

Wie interpretiert Stephanie das Gesehene?

Ich schätze, Hund 1 hat etwas (vermutlich einen anderen Hund) fixiert. Er sieht aus, als wäre er direkt zum Sprung bereit. Hund 2 steht dazwischen. Mit dem Hinterteil bedrängt er Hund 1, mit Kopf und Augen fixiert er ihn. Der Vorderkörper ist in Richtung des fixierten Hundes gedreht, sodass er jederzeit lossprinten kann.

Ich denke, Hund 2 blockt Hund 1 und beschränkt seinen Raum, damit er den vermeintlichen anderen Hund zufriedenlässt. Zurzeit sieht es für mich so aus, als hätte Hund 2 die Situation souverän im Griff. Ich wäre trotzdem bereit, ihm notfalls jederzeit den Rücken zu stärken. Hund 1 hingegen würde ich sehr genau im Blick behalten. Seine Position assoziiere ich mehr mit Angriff als mit Spiel, sodass ich da fließende Grenzen vermuten würde. Diesen Hund würde ich sehr früh rausnehmen, damit es gar nicht erst zu einer Auseinandersetzung kommt. Insbesondere wenn die anderen Hunde unsicher sind und kein souveräner Hund 2 beim Aufpassen hilft. Aufgrund der Gesichtszüge wirkt dieser Hund jung. Ich schätze, dass er gerade versucht seinen Platz im Leben zu finden und dabei auch mal über Grenzen hinausschießt.

Was sehe ich als Hundetrainerin?

Ich sehe zwei Hunde, die hintereinander her gehen. Der vordere Hund läuft aufrecht, es wirkt staksig. Er hat eine erhobene Rute, blickt zurück in Richtung des anderen Hundes. Die Ohren sind aufgestellt, aber leicht zur Seite gedreht, der Fang ist geschlossen. Der hintere Hund hat ebenfalls eine hoch aufgestellte Rute, er schaut den vorderen Hund „von unten herauf“ direkt an, sein Kopf hingegen ist gesenkt, die Ohren aufgestellt und nach vorn gerichtet. Sei Fang ist ebenfalls geschlossen. Die Vorderbeine sind leicht gespreizt und der Vorderkörper kippt leicht zur linken Seite hin weg.

Wie interpretiere ich als Hundetrainerin das Gesehene?

Ich interpretiere in diesen Bildausschnitt eine erste Kontaktaufnahme hinein. Die Hunde treffen sich und nehmen Kontakt auf. Dabei ist der hintere, optisch scheinbar jüngere Hund, sehr interessiert. Dennoch nimmt er sich in dieser Situation zurück, was ich aus der (vom vorderen Hund) seitlich wegkippenden Körperhaltung schließe und der gesenkten Kopfhaltung schließe. Die deutlich aufgestellten und nach vorn ausgerichteten Ohren und der direkte Blick zum anderen Hund sprechen für mich dafür, dass er den vorderen Hund gern näher unter die Lupe nehmen würde. Der vordere Hund macht sich groß, stellt die Rute auf und blickt zurück. Er signalisiert für mich deutlich, dass er nicht wirklich an einer Kontaktaufnahme interessiert ist.

Wäre die Körperhaltung des hinteren Hundes gespannter, aufrechter und die Kopfhaltung erhobener, dann wäre dies wahrscheinlich eine Situation, in der ich eingreifen würde. In dieser Situation jedoch, sieht es für mich so aus, als dass zwar Spannung in der Luft liegt, man sich gegenseitig imponiert, aber kein richtiges Interesse an einer Auseinandersetzung hat.

Wie war die Situation?

Zu sehen ist eine Sequenz aus einer Kontaktaufnahme. Der schwarze Schäferhund ist ein junger Rüde und der vordere Schäferhund ist eine ältere Hündin. Die Hündin ist eine sehr selbstbewusste, souveräne Hündin, welche eine erste Begrüßung zugelassen hatte, dann aber ihrer Wege ziehen wollte. Der junge Rüde hatte seine Kontaktaufnahme und das Beschnuppern noch nicht beendet und lief der Hündin hinterher. Was wir hier sehen, ist die Reaktion der Hündin auf das Verfolgen des Rüden. Im Zuge dieser Begegnung kam es zu kleinen Imponier- und Drohgesten, welche dem jungen Rüden ganz klar signalisieren sollten: „halte Abstand!“. Diese Situation hat sich dann recht schell aufgelöst und jeder ging seiner Wege. Der Rüde war zwar sehr interessiert, letztlich reichte aber ein Blick der Hündin und Präsenz in der Körperhaltung, um die Situation aufzulösen.

Euch gefallen diese Illustration? Wir sind schon Fan von Aram und Abra – schaut doch mal bei ihr vorbei 😉

Literatur, Artikel, Wissenswertes zum Thema Körpersprache

Wer gern mehr zum Thema Körpersprache von Hunden erfahren möchte, sollte sich die folgenden Bücher anschaffen:

Ausdrucksverhalten beim Hund – Dr. Dorit Feddersen-Petersen

Hundepsychologie – Dr. Dorit Feddersen-Petersen (hier sind DVD enthalten mit tollem Bildmaterial und Erklärungen)

Calming Signals – Turid Rugaas

Beschwichtigen, Drohen oder nur Spielen? – Manuela Nemeth

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