Frustrationstoleranz – Teil 3

Im letzten Teil zum Thema Frustrationstoleranz ging es u.a. darum, dass Kommandos nichts am Gemütszustand Deines Hundes hinsichtlich dem Thema Frust bewirken können. Wir ändern hier lediglich die Position des Hundes, aber nicht seinen mentalen Zustand, seine Erwartungshaltung.

Was aber können wir sonst noch tun?

Grenzen setzen
Wir können mittels Körpersprache unserem Hund Grenzen setzen, aber auch hier gibt es einiges zu beachten.
Sprechen wir hier von Raumverwaltung, welche wir durch souveränes Handeln durchsetzen können und welche uns beim Training der Frustrationstoleranz hilft.

Hunde kommunizieren körpersprachlich miteinander und in dem sie den Raum verwalten. Wie das räumliche begrenzen eines Hundes aussieht, habt ihr bestimmt schon einmal beobachten könnten. Hier sind dann, neben der räumlichen Bewegungseinschränkung auch einige andere körpersprachliche Merkmale zu beobachten, so z.B. ein intensiver, fixierender Blick, Körperanspannung, aufgestelltes Fell, durchgestreckte Gliedmaßen usw.

Kurz und knapp lautet die Message an das Gegenüber: „Komm hier bloß nicht zu Nahe (in meinen Raum)!“.

Dein Hund macht dies mitunter auch mit Dir. Die Frage ist, ob Du es wahrnimmst und wie Du damit umgehst!
Es gibt bestimmt Situationen, in denen Du denkst, dass Dir dein Hund schon wieder vor die Füße läuft. Ist das so? Passiert dies wirklich völlig unbeabsichtigt? Oder geht der Hund nicht vielleicht auch einfach nur seinen Dingen nach, seinen Zielen?
Was passiert, wenn wir dem permanent nachgeben würden? Dein Hund lernt, dass Du dich an ihm orientierst und das er es kann. Er kann richtungsweisend sein, er führt Dich und nicht Du ihn!

Um in Situationen, die für Deinen Hund schwierig sind, die ihn frusten, überhaupt zu ihm durchzudringen, benötigt es aber das genaue Gegenteil. Es benötigt eine Orientierung an Dir!

Die Arbeit mit der Raumverwaltung

Arbeiten wir mittels Raumverwaltung ist es wichtig, eine Entscheidung über das WANN und WO zu treffen! Erinnern wir uns zudem noch daran, dass ein Kommando, welches der Hund ausführen soll mitunter nur die Position verändert, aber eben nicht das mentale, dann wird klar, dass wir hier nichts an der Erregungslage, am Frust unseres Hundes ändern.

Folgende Situation: Du möchtest mit Deinem Hund eine Runde Gassi gehen, Dein Hund findet das großartig und bekundet seine Freude bereits lautstark, außerdem hüpft und springt er bereits umher. Das Du nun aber zunächst noch Deine Schuhe anziehen musst, findet er richtig doof, denn das Schuhe anziehen dauert… Frust entsteht, er wird noch hibbeliger, bedrängt Dich vielleicht sogar, fiepst und bellt. Klare Ansage: Beeil Dich – ich will los!
Um Ruhe reinzubringen gebe ich meinem aufgeregten, gefrustetem Hund ein „Platz“. Hier kann es schon sein, dass Dein Hund mitunter gar nicht in der Lage ist, das Kommando überhaupt durchzuführen, da die Erregungslage zu hoch ist. Führt er es jedoch aus, dann ist das Platz sicherlich alles andere als entspannt, denn er hat ja immer noch die Erwartungshaltung: „gleich geht´s los!“, am mentalen Zustand haben wir also nichts geändert.

Wie könntest Du die Situation stattdessen lösen?
Ich würde überlegen, welche Aktivität bei Deinem Hund bereits das Erregungslevel beginnt zu pushen. Du musst also sogenannte Triggerpunkte herausfinden. Dass ist in sofern wichtig, da Du dadurch nämlich frühzeitig reagieren kannst und nicht erst dann, wenn der Hund komplett auf 180 ist.
Bei uns waren das mitunter folgende Punkte:

  • aufstehen mit dem Wort „so!“

  • die Leine in die Hand nehmen (alternativ das Halsband oder Geschirr)

  • die eigenen Schuhe nehmen / anziehen

  • Jacke nehmen / anziehen

  • das Zusammensuchen von Schlüssel & Co.

Hast Du den Punkt erkannt, der Deinen Hund anfängt zu triggern, dann kannst Du bereits hier ansetzen. Ich habe beispielsweise zunächst die Leine zurückgehängt und den Hund mittels Raumverwaltung mitgeteilt, dass er sich nicht im Flur aufzuhalten hat. Ein Neustart, die Leine in die Hand zu nehmen, erfolgte, wenn der Hund die Grenze via Raumverwaltung akzeptiert hat und das Erregungslevel gesunken ist.
Ziel ist es hier doch, sich wie selbstverständlich für den Spaziergang fertig zu machen, mit einem entspannten Hund an seiner Seite. Dein Hund soll abwarten und hat schlichtweg NICHTS zu tun.
Starte ich mit einem hibbeligen, frustrierten Hund, startet auch der Spaziergang alles andere als entspannt!

Frustrationstoleranz

Optimierung der eigenen Körpersprache

Du kannst selbst auch körpersprachlich dazu beitragen, dass die Arbeit mit der Raumverwaltung einwandfrei funktioniert. Mittels der Raumverwaltung möchtest Du Deinem Hund etwas mitteilen und das solltest Du auch körpersprachlich ausdrücken, bzw. unterstreichen können.
Ganz nach dem Motto: „Meinen, was man sagt!“.

  • Dein Oberkörper ist aufgerichtet

  • Deine Muskeln angespannt

  • Dein Blick ist dem Hund zugewandt

So wie Deine Körpersprache eine Rolle spielt, so spielen auch Emotionen eine ganz Wesentliche! Wie fühlst Du dich gerade? Bist Du sauer? Bist Du genervt? Bist Du auch frustriert? Negative Emotionen, zusammen mit dem Frust Deines Hundes schaukeln sich lediglich weiter hoch!

  • habe Deine Emotionen unter Kontrolle (habe selbst keinen Frust, keinen Ärger, keine Anspannung, sei nicht genervt)

Übungen für Zuhause

Auch Zuhause kannst Du mittels Raumverwaltung Grenzen setzen!
Diese Grenzen können variieren und müssen nicht starr sein. Als Beispiel: die Küche ist generell tabu, wenn Du dabei bist zu kochen, ansonsten ist die Küche aber kein Raum, der nicht betreten werden darf!

Probiere doch einfach mal, dass Du Deinem Hund via Raumverteilung mitteilst, dass er mal nicht in die Küche darfst. Nutze die Türschwelle zur optischen Orientierung. Eine optische Begrenzung kann auch die Hundedecke sein, schicke Deinen Hund auf die Decke und vermittle ihm körpersprachlich, dass er dort bleiben soll.
Wichtig: Nutze KEINE Kommandos!

Dein Hund darf Fehler machen und auch hinterfragen, ob er wirklich nicht in den Raum darf. Jetzt liegt es an Dir, ihm die passende Antwort zu geben. Sei beharrlich und schicke ihn immer wieder aus dem Raum.
Befindet sich Dein Hund wieder hinter der Türschwelle, Du entspannst Dich, willst wieder Deinen Dingen nachgehen und Dein Hund startet erneut den Weg voran in den Raum, dann erkennst Du an seiner Handlung, dass Du ihn mental noch nicht erreicht hast. Was also tun? Erneut zurückschicken und an der Grenze kurz verweilen, warte ab, ob Dein Hund sich erneut auf Dich zu bewegt oder er die gesetzte Grenze akzeptiert.

Bei uns Zuhause gibt es zwar auch ein Kommando für „geh auf Deine Decke!“, aber möchte ich Ruhe etablieren, verzichte ich auf das Kommando und weise körpersprachlich einen Aufenthaltsraum zu. Was mein Hund dort macht ist mir „erst einmal“ egal. Soll heißen, es folgt kein „Sitz“, damit dieser dort verweilt, sondern lediglich die räumliche Begrenzung. Ich persönlich finde es viel schöner, wenn mein Hund von sich aus auf die Idee kommt, dass er gerade nichts zu tun hat und ebenso gut entspannen kann.

Dein Hund lernt also abzuwarten und vor allem auch, dass er sich zurücknehmen soll!

Die Raumverwaltung im Haus, an bspw. Türschwellen zu üben macht Sinn, denn so kannst Du ganz in Ruhe, ohne Ablenkungen von außen, die Wirkung Deiner Körpersprache „testen“.

Hast Du im Haus den Bogen raus, wäre eine Möglichkeit der Raumverwaltung, der Spaziergang an der Leine. Pendelt Dein Hund von links nach rechts? Dann verwalte den Raum! Begrenze ihn auf eine Seite.
Ich hatte weiter oben schon gefragt, ob es purer Zufall ist, wenn Dein Hund die vor die Füße läuft, oder ob er nicht irgendein Ziel verfolgt. Beobachte unterwegs doch einmal, ob genau das auf Euren Spaziergängen passiert, drängt Dein Hund dich ab? Falls ja, beharre auf Deine Laufrichtung, bleibe Deinem Weg treu!

Körpersprachliches Arbeiten ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Bist Du dir nicht Sicher, wie Du was machen sollst oder Dein Hund zeigt im Zuge dieser Arbeit Verhaltensweisen, die Du nicht einordnen kannst, dann hole Dir Unterstützung eines Trainers!

Frustrationstoleranz

Weiterhin finde ich, dass ein Hund die Möglichkeit haben muss, sich mit (für ihn) schwierigen Situationen auseinander zu setzen und zu lernen, dass Frust nicht der Weg ans Ziel ist.
Soll heißen: schwierige Situationen immer zu vermeiden ist nicht zielführend!

Besser: aus der Distanz heraus die schwierige Situation aushalten, Raum verwalten und lernen, dass man mitunter mit Geduld zum Ziel kommt!

Situative Belohnung

Kennen bestimmt die meisten: der junge Hund flippt bei Sichtung von Artgenossen freudig aus. Es handelt sich ja um potentielle Spielpartner. Eine situative Belohnung wäre hier folgende: der Hund beruhigt sich, lernt abzuwarten und zu entspannen und die Belohnung ist dann der Sozialkontakt.

Ich denke, Du hast nun schon so einige Anregungen erhalten, wie Dein Hund lernen kann, den Frust besser zu ertragen. Wie bereits erwähnt, kann so ein Blogbeitrag keine persönliche Beratung ersetzen, daher im Zweifelsfalle lieber persönlich Kontakt zum Trainer/in Deines Vertrauens aufnehmen.

Dieses Thema ist „täglich Brot“ in der Hundeschule. Mir persönlich ist viel Ruhe, Entspannung und vor allem auch der vernünftige Umgang mit schwierigen Situationen wichtig, daher arbeite ich viel in diese Richtung.

Gern kannst Du mir Deine Erfahrungen mit dem Thema Frustrationstoleranz in den Kommentaren mitteilen!

Alles hat einen Anfang, den ersten Teil zur Blogreihe „Frustrationstoleranz“ findest Du HIER.

Teile diesen Beitrag