[Gastartikel] BARFEN – Von der Theorie in die Praxis

Im ersten Teil hatten Gastautorin Gabriele Tischler von der PfotenBar Düsseldorf davon bereichtet, was barfen eigentlich ist, wie es gemacht wird, was wo drin steckt und wie es sich zusammensetzt.

Hier der erste Beitrag zum Thema BARF – was ist das eigentlich?

Theoretisch wissen wir also, wieviel von was wir brauchen. Aber wie setzt man das im Alltag um? Wieviel von was und wann soll im Futternapf landen, dauert die Zubereitung lange und wie wie kompliziert ist das eigentlich?

Zunächst brauchen wir eine Einkaufsliste

Wir erinnern uns, es ist ja nicht nur mit Fleisch und Gemüse getan.

Angenommen, wir möchten 10 Kilo Futter haben. Dann würde der Einkaufszettel für einen Hund so aussehen:

  • 800g – 1kg Kalbsbrustbein oder Kaninchenkarkassen – alternativ 1,2 – 1,5kg Hühnerrücken bzw. Hühnerhälse

  • 300 – 500g Leber

  • 200 – 250g Niere oder 200-250g Milz (optional)

  • 1,8 – 2kg Gemüse (entspricht 200 – 300g Trockengemüse, alternativ selber zubereiten, Babygläschen, gefrorenes Gemüse)

  • ca. 6kg Muskelfleisch – aufgeteilt auf Pansen/Blättermagen (nicht mehr als 2kg), Herz (nicht mehr als 500g), Lefzen, Kopffleisch, Muskelfleisch, Schlund, etwas Fisch (Lachs oder Sprotten, ca. 300 – 500g) und evtl. etwas reines Fett

In der Summe hat man nun 10kg Futter.

Barf - Gemüse

Alles, was jetzt noch fehlt, sind die bereits im ersten Beitrag genannten Ergänzungen: Bei obiger Einkaufsliste fehlt euch noch ein gutes Öl, vorzugsweise ein gutes Lachsöl/ Fischöl und Seealgenmehl.

Kleiner Tipp: In den letzten Jahren wird immer häufiger Blut angeboten. Das könnt ihr verfüttern, müsst aber nicht, deshalb ist es in der obigen Einkaufsliste gar nicht enthalten. Falls ihr aber überwiegend helles Fleisch füttert, macht es Sinn, auf die 10 kg Futter noch 500g Blut oben drauf zu rechnen, fürs Eisen.

Darüber hinaus entscheidet der individuelle Bedarf, ob irgendwelche anderen Zusätze Sinn machen.

Es ist völlig egal, ob wir diesen Einkauf für einen großen Hund oder einen kleinen Hund machen. Die Größe, das Gewicht und die Aktivität des Hundes entscheiden lediglich darüber, wie lange diese 10kg Futter auch wirklich reichen. 10 kg Futter reichen für eine Dogge vielleicht 10 Tage, für einen Chihuahua ist es eine Ration für den ganzen Monat.

Auch ist es vollkommen egal, ob man jetzt verschiedene Mischungen füttert oder das Fleisch sortenrein trennt und jeden Tag etwas Anderes in den Napf kommt. Ihr könnt also alles auf einmal mischen, in Portionen aufteilen und fertige Portionen einfrieren – oder ihr füllt halt jeden Tag etwas anderes in den Napf.

Barf
Barf
Barf

Wichtig ist lediglich, dass man die einzelnen Bestandteile gleichmäßig verteilt

Jeden Tag etwas pflanzlichen Anteil, Knochen 2-3x die Woche, Innereien idealerweise auch 2-3x die Woche.

Ihr könnt aber auch jeden Tag ein kleines Stückchen Innerei geben oder täglich einen Knochen zum Nachtisch.

Falls ihr zusätzlich Fett zufügt, solltet ihr dies möglichst gleichmäßig verteilen, also lieber täglich etwas zusätzliches Fett als an wenigen Tagen viel Fett.

Welpen und Junghunde bekommen bis zur Beendigung des Zahnwechsels etwas mehr Knochen, weil sie im Wachstum einen höheren Calciumbedarf haben. Danach bekommen sie die gleiche Zusammensetzung wie ein erwachsener Hund – der erhöhte Energiebedarf wird über eine entsprechend höhere Futtermenge gedeckt.

Aber bitte beachten: Welpen sollten bis zum Zahnwechsel alle wichtigen Bestandteile jeden Tag bekommen- hier gilt also nicht, egal, wie man was füttert, sondern bitte jeden Tag ein kleiner Anteil Innereien, ein kleiner Anteil Knochen, ein kleiner Anteil Fisch.

Mittelgroße, erwachsene Hunde benötigen ca. 2% ihres Körpergewichts als Futtermenge, kleine Hunderassen und Junghunde durchaus bis zu 5%. Dies ist aber nur ein ungefährer Anhaltspunkt, der individuelle Bedarf kann auch wesentlich höher oder niedriger sein.

Als Beispiel: Ein Hund mit 30 kg benötigt etwa 600g Futter am Tag. Ein Hund mit 20 kg etwa 450g Futter, ein 5 kg Hund benötigt dagegen 200-250g Futter, ein 60 kg Hund kommt dagegen mit knapp 1 kg Futter gut zurecht.

In der Umstellungsphase, also wenn der Hund an die Rohfütterung gewöhnt werden sollen, gelten allerdings ein paar Regeln.

Anfangs werden keine Knochen gefüttert, da die Magensäure sich zunächst einmal umstellen muss – Knochen können anfangs gar nicht richtig verdaut werden und können daher schnell zu Problemen führen. Frühestens nach 2 Wochen sollte man mit den ersten Knochen vorsichtig anfangen.

Am Anfang beschränkt man sich auf 1, maximal 2 Tierarten, bei Hunden vorzugsweise Rind (Pansen ist ein tolles Starterfutter!).

Ein kleiner Tipp – gerade bei jungen Hunden nicht alles ausprobieren, was die Tiefkühltruhen hergeben. Gerade Exoten und exklusivere Fleischsorten, wie Pferd, Rentier, Elch, Wild, Hirsch sollte man zunächst nicht füttern – so hat man für den Fall, dass irgendwann eine Ausschlussdiät gemacht werden muss, ein paar Fleischarten , die Hund noch nie gefressen haben, „in Reserve“.

Barfen ist also im Prinzip eigentlich ganz einfach – kein Hexenwerk, keine Diplomarbeit, man muss keine wissenschaftlichen Studien auswendig lernen, es ist auch keine Modeerscheinung. Es ist einfach füttern nach dem Vorbild der Natur – wenn man sich an ein paar wenige Regeln hält, absolut ausgewogen, vollwertig und gesund.

Wie ist das bei euch? Barf ihr eure Hunde? Wenn ja, findet ihr, dass barfen schwierig ist? Wie sind eure Erfahrungen mit dem Barfen?

Zur Gastautorin 

Gabriele Tischler ist selbst begeisterte Barferin und Inhaberin des BARF-Geschäftes.

Ich bin Jahrgang 72, barfe seit mittlerweile über 17 Jahren (habe 1999 angefangen) Hund UND Katze, habe in den Jahren natürlich einiges an Vorträgen, Fachliteratur und Co verschlissen, 2013 habe ich die PfotenBar eröffnet und ich bin zertifizierte Ernährungsberaterin Schwerpunkt Barf für Hund und Katze nach Swanie Simon.

Derzeit teilen 2 Hunde und 1 Kater Bett und Tiefkühlschrank mit mir…

Gabriele hat natürlich auch eine Hompage und eine Facebook Seite:

www.pfotenbar.de

Die Pfotenbar bei Facebook

Zum Schluss noch einiges an lesenswerter Literatur zu diesem Thema:

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