An der Leine – 3 Möglichkeiten die Leinenführigkeit zu trainieren

//An der Leine – 3 Möglichkeiten die Leinenführigkeit zu trainieren

An der Leine – 3 Möglichkeiten die Leinenführigkeit zu trainieren

An der Leine – 3 Möglichkeiten die Leinenführigkeit zu trainieren

In Niedersachsen haben wir gerade Brut- und Setzzeit, und das noch volle zwei Monate lang. Zeit genug also, um sich einem Thema ganz besonders zu widmen: der Leinenführigkeit!

Ihr kennt das… die Leine ist dauerhaft gespannt, der Hund zieht ohne Ende, der Spaziergang ist nicht entspannt. Gerade für Happy momentan ein Thema, an dem wir intensiv üben. Ich habe einmal 3 Möglichkeiten zusammengetragen, wie auch ihr an diesem Thema arbeiten könnt.

Sicherlich führen viele Wege nach Rom und es gibt noch viele Möglichkeiten mehr. Ich möchte mich in diesem Beitrag aber auf diese 3 Möglichkeiten beschränken. Ich werde euch beschreiben, wie diese 3 Möglichkeiten der Leinenführigkeit aussehen und auch auf Vor- und Nachteile eingehen. ACHTUNG: hierbei handelt es sich um KEINE konkrete Trainingsanleitung

Ob eine dieser Möglichkeiten für Dich und deinen Hund in Frage kommt, hängt ganz von Dir und deinem Hund ab. Wichtig finde ich vor allem, dass man sich bei dem was man umsetzen soll wohlfühlt, nur dann ist man authentisch und kann es überhaupt (glaubwürdig) umsetzen! 

Dein Hund ist der Erste, der feststellt, wenn Du nicht voll hinter dem stehst, was Du tust.

Lasst euch hier gut beraten, bzw. zumindest einmal draufschauen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig das sein kann, man selbst sieht sich ja auch nicht. Ich selbst hatte damals die Angewohnheit, den Arm, welcher die Leine festhielt, nach hinten zu ziehen. Unbewusst! Dies ist mir erst bei einer Videoaufnahme bewusst geworden. Was folgte war eine kleine Änderung in meiner Körperhaltung und dies machte uns vieles leichter.

Was ist Leinenführigkeit überhaupt?

Für mich ist Leinenführigkeit zum Beispiel etwas ganz anderes als das „bei Fuß-laufen“.  „Bei Fuß“ bedeutet für mich, dass der Hund zwar an lockerer, durchhängender Leine läuft, allerdings an einer bestimmten Position neben seinem Menschen. Ihr kennt das vielleicht auch aus dem Hundesport, der Hund läuft auf der linken Seite des Hundehalters, seine Schulter auf Höhe des Oberschenkel des Menschen. Hier ist ganz klar definiert, an welcher Position er sich bewegen soll.

Leinenführigkeit bedeutet für mich, dass die Leine locker durchhängt, der Hund aber überall laufen darf – vor, neben oder hinter mir, aber eben im lockeren Radius der Leine. Meine Ansicht von Leinenführigkeit ist also eine etwas lockerere Variante vom „bei Fuß“ laufen. 

Ihr seht hier kommt es auch immer auf die ganz individuelle Definition von Leinenführigkeit an. Eine weitere Anmerkung an dieser Stelle, bei den oben genannten Definitionen der Leinenführigkeit und „Bei Fuß“ reden wir vom Endresultat. Das Training sollte in der Leinenführigkeit kleinschrittig aufgebaut sein, auch wenn ich sage, der Hund hat den Radius der Leine zur Verfügung und darf diesen nutzen, so lange die Leine locker ist.

Das er den Radius zur Verfügung hat, muss der Hund erst lernen, daher fängt man doch anfangs mit einer festen Position an, die man dann im Laufe des Trainings variiert, bis man beim kompletten Radius angekommen ist.

Wichtig, ob nun beim „bei Fuß“ laufen oder bei der Leinenführigkeit ist alle mal die Verbindung zwischen Hund und Halter. Diese Verbindung sollte nicht nur durch die Leine aufrecht erhalten werden. Bei meiner Vorstellung von Leinenführigkeit zeichnet sich diese Verbindung durch richtigen Kontakt aus und nicht nur durch die Leine , welche Zwei- und Vierbeiner verbindet. Ich möchte, dass der Hund mit seiner Aufmerksamkeit „bei mir“ ist. Das heißt für mich aber nicht, dass der Hund die Umwelt gänzlich ausblenden soll! Er soll die Umwelt wahrnehmen, aber eben ansprechbar sein und bleiben und nicht nur im Außenfokus sein

3 Möglichkeiten der Leinenführigkeit

Hauptsache die Leine ist locker!

Voraussetzungen für die Leinenführigkeit

Ich finde das ist Grundvoraussetzung bei der Leinenführigkeit (aber auch bei allen anderen Dingen), ein Hund, der auf seinen Menschen achtet! Diese Grundvoraussetzung gestaltet übrigens auch das Training fair. Stell Dir vor, du würdest einfach loslaufen und dann eine der Möglichkeiten zur Leinenführigkeit durchsetzen. Das wäre für den Hund ziemlich unfair, denn als erstes kommt Zug auf die Leine, das Halsband und damit auch schlußendlich auf den Hund.

Wäre ich ein Hund, hätte ich spätestens jetzt überhaupt keine Lust mehr auf die Leinenführigkeit und irgendwann sicherlich auch nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen. Der Hund hatte keine Gelegenheit sich in das Training einzufinden. Trainingssituationen sollten immer so gestaltet sein, dass Hund und Halter bestmöglich und einfach einsteigen können und nicht direkt mit Frust beginnen. 

Daher sollte es als erstes so sein, dass der Hund, sofern er nicht „bei Dir“ ist, aufmerksam gemacht wird. Ich tue dies zunächst über Ansprache. Das muss man sich so vorstellen: ich spreche den Hund mit Namen an: „Happy“ – erwarte aber zunächst keine konkrete Ausführung eines Signals, wie auch… ich habe ja lediglich den Namen genannt. (Namens-)Reaktion des Hundes sollte dann ein Blickkontakt sein, so nach dem Motto „ja bitte – was ist?“ und erst dann folgt eine Info darüber, was zu tun ist, sprich ein konkretes Signal!

Zum Trainingumfeld sei noch gesagt – fangt am besten in ruhiger Umgebung an. Wenn die Wohnung groß genug ist, kann das auch das Wohnzimmer sein, oder aber der Garten. Wichtig ist, dass es zunächst möglichst wenig ablenkende Reize gibt. Man nennt das dann auch Grundtraining. Wenn das Signal für die Leinenführigkeit sitzt und es in ablenkungsarmer Umgebung funktioniert, kann man allmählich die Ablenkungen steigern – jetzt sind wir im Aufbautraining.

Wichtig ist auch die Dauer der Übungseinheiten. Übe lieber nur für ein paar Minuten und beende die Übung mit einem Erfolgserlebnis für beide Seiten, anstatt endlos zu üben und irgendwann Frust zu schieben, weil es nicht mehr so funktioniert, wie Du es dir vorstellst. Qualität vor Quantität!

Außerdem wichtig – und das kann ich gar nicht oft genug sagen: das Bauchgefühl! Eine Leinenführigkeit nach Schema F wird nicht funktionieren. Hunde erkennen Muster, sich immer wiederholende Abläufe und haben somit Dein Training schnell durchschaut. Handle aus dem Bauch heraus. Versuche Situationen einzuschätzen und wähle dann entsprechend der Situation Deine Handlungsweise in Bezug auf die Leinenführigkeit.

Auch wenn hier keine Leine im Spiel ist, so ist die Orientierung für die Leinenführigkeit wichtig.

Es geht mir nich um permanenten Blickkontakt, sondern wirklich um Orientierung!

Möglichkeit 1 – permanent füttern

Wie es in der Überschrift schon steht, hier geht es darum, den Hund permanent an der Stelle zu füttern, wo er bei der Leinenführigkeit laufen soll. Der Hund wird also durch das Füttern in die richtige Position gelockt und durch die Dauerhaftigkeit dort gehalten. Man nimmt hierbei Futter in die Hand und hält es dem Hund vor die Nase. Der Hund „dockt an“ und man kann nun den Hund mit dem Futter ein Stück führen. Hat der Hund verstanden, wo er laufen soll, bzw das die Leine locker sein soll, kann man anfangen, dass Futter wieder abzubauen, die „Futterhand“ entfernt sich langsam von der Nase des Hundes. Wichtig ist hier, dass man dies kleinschrittig durchführt. Den Abstand zwischen Hand und Hundenase immer weiter vergrößern, bis man irgendwann an der Stelle angekommen ist, dass kein Futter mehr in der Hand ist, der Arm locker runterhängt und der Hund leinenführig läuft. Um den Abbau der Futterhand zu vereinfachen, würde ich von Anfang an bereits richtiges Verhalten bzw. die gewünschte Position verbal bestätigen. Beim Abbau kann dies dann zur Überbrückung genutzt werden, so erhält der Hund auch ohne das Futter vor der Nase bereits ein Feedback darüber, dass die Position richtig ist.  

Vorteil: Habe ich einen Hund, der sich durch Futter gut leiten lässt, habe ich mit dieser Methode gute Chancen, den Hund „in die Leinenführigkeit zu füttern“.

Nachteile: So einen richtigen Fokus auf den Menschen erzielt man damit anfangs natürlich nicht. Der Hund fokussiert sich auf die „Futterhand“ und folgt dieser. Ein anderer Gedanke… was ist, wenn ich kein Futter dabei habe oder nicht ausreichend? Klar, jetzt würde man sagen, dass Training wurde unzureichend vorbereitet. Ebenso zeigt es aber auch auf, wie wichtig es ist, das permanente Füttern wieder auszuschleichen. Da die Leinenführigkeit aber sehr individuell ist, könnte diese Möglichkeit dennoch für Dich das Richtige sein!

Möglichkeit 2 – Stehen bleiben

Eine weitere Variante ist es, immer dann, wenn der Hund beginnt zu ziehen, stehen zu bleiben. Man sollte hier aber nicht erst warten, bis die Leine komplett gespannt ist, sondern schon in dem Moment, in dem der Hund euch überholt stehen bleiben. Euer Hund wird zunächst natürlich nicht auf euer Stehenbleiben reagieren, sondern weiterlaufen. 

Der Hund merkt, dass etwas anders ist, wenn die Leine gänzlich gespannt ist und sich der Zug auf sein Halsband auswirkt. Da wir die Leinenführigkeit in einem ruhigen Zustand üben, rennt euer Hund natürlich nicht mit Vollspeed in die Leine, so dass dieser Zug am Halsband für ihn lediglich ein Impuls ist und kein Ruck. Trotzdem wäre es nett, den Hund mittels einer verbalen „Warnung“ auf das Stehenbleiben vorzubereiten.

Wichtig ist hier auch, das von euch aus NICHT an der Leine gezogen wird. Ihr bleibt einfach stehen! Erfährt der Hund parallel zum Stehenbleiben auch noch Zug auf der Leine, dann wird aus dem Impuls natürlich ein Leinenruck. Nach dem Impuls sollte als Reaktion des Hundes bestenfalls ein Blick in deine Richtung folgen. Was auf jeden Fall aber passieren sollte ist, dass die Leine sicht wieder entspannt. Erst dann gehts weiter!

Ich persönlich würde immer das gewünschte Verhalten bestätigen, d.h. die gute Leinenführigkeit und nicht das Stehenbleiben als Reaktion auf unsere Korrektur.

Vorteil: Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen, die sich eine bessere Leinenführigkeit bei ihrem Hund wünschen,  aber sehr viel Aktion in und an der Leine haben. Der Hund wird wieder in die richtige Position gezogen, die Leine aber einfach nur festhalten ist oftmals ein Problem. Daher finde ich, der Vorteil liegt darin, dass man selbst nicht so viel mit der Leine agiert. Man hat eine einfache Aufgabe, nämlich lediglich stehen zu bleiben. Ein Leinenhandling entfällt komplett und somit auch unerwünschte und unnötige Impulse an der Leine durch den Menschen. Außerdem bringt es dadurch schon die erste Ruhe ins Training. 

Nachteil: Erfordert absolute Konsequenz und damit verbunden, kommt man dann nicht so schnell, so weit 😉

Im Anschluss seht ihr ein Video von mir mit Oskar (rechts) und Happy (links) bei der Leinenführigkeit. Hier kommt die Möglichkeit Nummer 2 zum tragen. (Entschuldigt die Qualität)

Happy stellt die Leinenführigkeit gern mal in Frage oder kaspert herum. Es ist ja alles so spannend.

Möglichkeit 3 – Richtungswechsel

Die Leinenführigkeit mittels eines Richtungswechsels zu trainieren, soll hier unsere Variante Nummer 3 sein. Sobald der Hund anfängt nach vorne zu gehen, so dass sich die Leine spannt, wechselt der Mensch die Richtung. Sich einfach nur umzudrehen und den Hund in die andere Richtung zu zerren, empfinde ich als unfair und nicht unbedingt zielführend.

Drehst Du dich aber zum Hund hin, blockierst Du ihn mit deinem Körper. Damit verhinderst Du, dass Dein Hund einfach ins Halsband läuft. Du läufst quasi um ihn herum und ihr geht gemeinsam in die entgegengesetze Richtung weiter.

Vorteile: Die Erfahrung hat gezeigt, dass Du auf diese Weise ziemlich schnell wieder die Orientierung des Hundes an Dir zurück erhälst. Außerdem entfallen hier jegliche Singalwirkungen, wie beispielsweise ein kleiner Ruck, über die Leine.

Nachteil: Gerade bei jungen, noch sehr ungestümen Hunden erfordert dies ein wirklich sehr frühzeitiges Timing. Ist der Hund erst einmal vor Dir, ist es Dir nicht mehr möglich VOR dem Hund entlang in die entgegengesetze Richtung zu laufen.

Aller Anfang ist schwer

Gerade die Leinenführigkeit ist ein Thema, welches deutlich langwieriger ist, als seinem Hund ein Sitz oder Platz beizubringen. Die Leine an sich hat bei Mensch und Hund eine unterschiedliche Bedeutung. Wo es für den Menschen ein Mittel ist, seinem Hund Sicherheit zu geben und auch ein Mittel, um Kontrolle auszuüben, so ist es für den Hund das genaue Gegenteil! Für unseren Hund bedeutet die Leine Kontrollverlust und es grenzt ihn natürlich ein, er hat nur einen gewissen Radius zur Verfügung.

Die Schwierigkeit der Leinenführigkeit besteht also darin, die unterschiedlichen Vorstellungen der Leine von Mensch und Hund auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Wie erreiche ich das? Durch Spaß! Wichtigste Lernerfahrung, die der Hund dabei machen muss ist, dass die Leine nicht automatisch bedeutet, dass der Spaß vorbei ist. Das ist ähnlich wie beim Rückruf. Rufe ich meinen Hund immer nur dann, wenn es nach Hause geht und der Spaß vorbei ist, wird er irgendwann nicht mehr (freudig) kommen.

Eine gute Leinenführigkeit…

… soll beim Hunde ein Gefühl der Sicherheit wecken. Ganz nach dem Motto „wenn ich schon nicht kann, wie ich möchte, kann ich mich wenigstens auf meinen Menschen verlassen, der regelt das schon!“. Eine gute Leinenführigkeit ist somit auch in schwierigen Situationen hilfreich. Im Falle einer Leinenaggression ist es neben Ursachenforschung auch wichtig, an der Leinenführigkeit zu arbeiten. Sicherheit, vermittelt durch eine gute Leinenführigkeit, durch eine gute Führung, macht es Hunden leichter, sich von der Leinenaggression zu lösen. Dazu gehört natürlich trotzdem noch ein gut organsiertes Training. Eine gute Leinenführigkeit hilft, zaubert aber eine Leinenaggression nicht weg.

Wie eine Leinenaggression im Übrigen entstehen kann, kannst Du HIER nachlesen und der richtige Umgang mit der Leinenaggression erklärt sich HIER.

Und Du?

Arbeitest Du vielleicht mittels einer dieser 3 Möglichkeiten oder nutzt Du noch ganz andere Möglichkeiten? Schreib doch gern einmal einen Kommentar!

Liebe Grüße,

Nicole

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By |2018-05-30T16:13:36+00:00Mai 1st, 2018|Training|2 Comments

About the Author:

Hi, ich bin Nicole, Hundetrainerin mit Leib und Seele. Hier werde ich regelmäßig rund um den Hund berichten. Bei Fragen rund um das Thema Hund kannst Du mir gern eine EMail schicken. Falls du unsere Tipps und Hinweise gut findest dann teil Sie gerne deinem Netzwerk mit - Danke. Hier machen wir auch mit: Facebook | Hundeschule Leinenengel bei Google + |

2 Comments

  1. Sandra 29. Mai 2018 um 14:37 Uhr - Antworten

    Interessanter Artikel! 🙂

    Zoe und ich haben die Leinenführigkeit irgendwie gar nicht richtig geübt. Es entwickelte sich einfach mit dem Alter. Je älter Zoe wurde, desto besser lief sie an lockerer Leine neben mir her. Ist mir Anfangs gar nicht wirklich aufgefallen da es so ein schleichender Prozess war, umso erfreuter war ich dann als ich es gemerkt habe. 😉

    LG
    Sandra

    • Nicole Funk 30. Mai 2018 um 16:18 Uhr - Antworten

      Hi Sandra,

      sehr cool, da kannst Du dich wirklich freuen, dass es sich „einfach so entwickelte“ 🙂
      Bei Mira ging es mir wie Dir. Die lief einfach. Ein Traum!

      Meine drei sind gänzlich unterschiedliche Charaktere. Oskar damals war ähnlich wie Happy, immer Vollgas.
      Er hatte aber einen großen Vorteil, bzw. war das ein Vorteil für mich – er war mit der Pubertät schon durch als er einzog. Mein Glück 🙂
      Happy steckt mitten drin und hinterfragt gern und oft, ob die doofe Leine wirklich locker bleiben muss.
      Aber es wird. Beharrlichkeit und konsequentes Handeln zahlen sich aus 🙂

      Liebe Grüße,
      Nicole

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